...die kleine Zeitung mit der großen Wirkung!

Der „blickpunkt“ gehört zur Stadt. Auf unserer Webseite kann man alle Ausgaben seit 1969 lesen. Die Leserinnen und Leser bekommen dabei einen Einblick in die Stadtgeschichte. Es ist eine Geschichte von links, die auch für Neubürger interessant ist. Der „blickpunkt“ - die Zeitung der DKP für Mörfelden-Walldorf - ist die außerparlamentarische Begleitung der DKP/LL Fraktion im Stadtparlament unserer Stadt. Seit über 50 Jahren kommt der „blickpunkt“ in fast jedes Haus. Wir drucken regelmäßig acht Seiten und monatlich 14.500 Exemplare. Finanziert wird die Zeitung im Wesentlichen durch unsere Mandatsträger, die ihre Sitzungsgelder dafür zur Verfügung stellen. Wir erhalten aber auch sehr oft Spenden von interessierten Leserinnen und Lesern. Diese sind notwendig und immer willkommen.

31.07.2020
Verstopfungen der Kläranlage
Sind wirklich Corona und die Einwohner selbst schuld? Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise ging eine Meldung durch alle Medien, bis hin zum hessischen Fernsehen: Die Kläranlage von Mörfelden-Walldorf sei verstopft, weil die Menschen zu viele Sachen in die Toilette schmeißen, die da nicht reingehören. Zudem seien mehr Berufstätige im "Home Office", wodurch die Anlage zusätzlich belastet würde, denn normalerweise seien diese Leute sonst den ganzen Tag auswärts in ihrem Betrieb. Erster Stadtrat Burkhard Ziegler gab sich große Mühe, das Problem kleinzureden und die Einwohner von Mörfelden-Walldorf glauben zu machen, es beträfe auch andere Städte und Kläranlagen. Die Ursache sei unter anderem, dass die Menschen aus ökologischen Gründen Wasser sparen und deswegen der Feststoffanteil im Abwasser zunimmt. Das ist alles Quark. Das Problem besteht speziell in Mörfelden-Walldorf schon seit 18 Jahren. Die Ursache ist eine grobe Fehlplanung, die schon eine Menge Geld verschlungen hat.
Hier ist die Geschichte:
Bevor die Walldorfer Kläranlage zu einer Pumpstation umgebaut wurde, wurde schon ein Großteil des Walldorfer Abwassers nach Mörfelden gepumpt. Am 23.11.2002 übergab dann Bürgermeister Bernhard Brehl die neue Pumpstation ihrer Bestimmung Seitdem wird das komplette Abwasser über ein System von Kanälen und Pump- werken zur Kläranlage Mörfelden geleitet. Dort wird es für beide Stadtteile geklärt. Auf der früheren Kläranlage Walldorf hatte man eine Rechenanlage. Sie filterte wöchentlich ca. 1,5 Tonnen Rechengut aus dem Zulauf heraus, bevor das Abwasser weiter gepumpt wurde. Das gibt es seitdem nicht mehr. Als der Umbau anstand, wurde er ohne Rechenanlage geplant. Die Pläne wurden von den Mitarbeitern der Kläranlage in Mörfelden sehr kritisch betrachtet. Man könne nicht das Abwasser von ca.16.000 Einwohnern und einem Gewerbegebiet von Walldorf ungefiltert über drei Pumpstationen nach Mörfelden pumpen, wurde eingewandt. Das könne niemals gut gehen.
Ein ehemaliger Mitarbeiter erinnert sich:
"Unser damaliger Chef war noch im Amt, aber der jetzige Leiter (und vor Kurzem zum Projektleiter des Kläranlagenausbaus beförderte Angestellte der Stadtwerke) beeinflusste auch damals schon maßgeblich die Umbauplanung. Alle redeten auf ihn ein, auch der damalige Leiter, und versuchten, ihn davon zu überzeugen, dass unbedingt wieder Rechen eingebaut werden müssten. Aber er konnte nicht überzeugt werden. Es fiel der berühmte Spruch 'Zerbrecht euch nicht meinen Kopf!'. Die Pumpen seien vom neuesten Stand der Technik, und es gäbe auch ohne Rechen keine Probleme. Die Ver- und Entsorger sagten resigniert zu ihm: 'Reden wir weiter, wenn die Probleme da sind.' Die waren postwendend da. Und sie sind heute, 18 Jahre später, noch immer nicht beseitigt."
Das wurde uns berichtet:
"Fast täglich musste damals in Walldorf eine Pumpe wegen Verstopfung 'gezogen' werden. Das ist eine aufwendige Sache. Die Pumpe muss auseinander geschraubt werden, um an das Laufrad zu gelangen. Dahinter hatten sich dann Lappen, feuchte Tücher und andere Faserstoffe eingewickelt. Die Pumpe läuft dann immer schwerer, verbraucht sehr viel Strom, und geht irgendwann auf Störung. Mit einem Rechen wären diese Stoffe nie in die Pumpen gekommen. Die Pumpen hätten dadurch eine viel längere Lebensdauer. Es hätte auch kaum Störungen gegeben. Als noch Rechen vorhanden waren, kam 'Kanal-Mayer' nur zweimal im Jahr, um den Sand abzusaugen. Ganz selten gab es durch Fett verursachte Störungen." Schon bei der Einweihung des Pumpwerks war das Problem unübersehbar, wie die kurz vorher aufgenommen Fotos von dem völlig verstopften Pumpenschacht zeigen. Vor der Einweihung wurde dann zur Feier des Tages der Pumpenschacht noch einmal gründlich gereinigt, damit Bürgermeister Brehl eine saubere Anlage einweihen konnte und die Zuschauer nichts merkten. Alles Show, um von der Misere abzulenken.
Auch später wurde trotz der Probleme nur Nonsens unternommen. Da haben zwar Firmen gut Geld verdient. Aber verbessert hat sich nichts. In den Pumpwerken Schwimmbad und Walldorf Mitte wurden Rührer eingebaut, die die Feststoffe in der Schwebe halten sollten. Auch das war eine Fehlkonstruktion. Die Rührer gingen schnell kaputt, die Mitarbeiter von "Kanal-Mayer" mussten mit Pickeln anrücken und im Pumpenschacht Schwimmbad die fast 2 Meter hohen Feststoff- ballen auseinander hacken, damit der Saugwagen überhaupt etwas ansaugen konnte. Einmal mussten an Weihnachten die dicht gepressten Feststoffe mit Kettenzügen aus den Pumpen gezogen werden.
Man hätte, nachdem die vorhergesagten Störungen tatsächlich aufgetreten waren, immer noch Rechen im Zulauf einbauen können. Aber das wurde nicht gemacht. Stattdessen wurde Jahr für Jahr Geld für wenig sinnvolle Maßnahmen ausgegeben, die meistens überhaupt nichts brachten. Es sollte niemand behaupten können, dieses Pumpwerk sei eine Fehlplanung. Weiterhin wurde im Pumpenschacht Schwimmbad ein Podest eingebaut. Es soll den Mitarbeitern von 'Kanal-Mayer' die Arbeit erleichtern. Eine Arbeit, die kaum nötig wäre, wenn man von Anfang an eine Rechenanlage eingebaut hätte.
Das geht nun 18 Jahre lang so, es ist eine "never ending story". Jetzt wird es – die Gelegenheit ist günstig - auf die "Bürger im home office" und auf Corona geschoben.
Das kann so nicht weitergehen. Es ist höchste Zeit, dass die Gesamtplanung der Kläranlage auf den Prüfstand gestellt wird und nach einer Lösung gesucht wird, die Hand und Fuß hat. Sonst wird Mörfelden-Walldorf seinen hessischen Spitzenreiter- Platz bei den Abwassergebühren so schnell nicht verlieren.
Rechen oder Siebe bilden eine wichtige erste Reinigungsstufe in Kläranlagen. Sie tragen dazu bei, einen störungsfreien Betrieb und Materialschonung zu gewährleisten. Das Abwasser durchfließt dabei einen Rechen oder ein Sieb, mit denen grobe Inhaltsstoffe zurückgehalten werden. Die abgetrennten Stoffe nennt man Rechengut oder Siebgut.
31.07.2020
24.07.2020
blickpunkt extra
08.06.2020
#BlackLivesMatter
Solidaritätsveranstaltung in Mörfelden
Black Lives Matter (englisch für „Schwarze Leben zählen“) ist eine internationale Bewegung, die in den Vereinigten Staaten entstanden ist und sich gegen Gewalt gegen Schwarze bzw. People of color eintritt. George Floyd wurde Opfer von rassistischer Polizeigewalt, in den USA gibt es seitdem soziale Unruhen. Die Solidaritätsdemo wurde kurzfristig von der DKP und SDAJ mündlich und über die soziale Medien eingeladen, ein neuer EXTRA-blickpunkt wurde verteilt.