Wenn die bunten Fahnen wehen

Farbspiele

„Das neue Rot ist blau!“ Mit diesem Spruch versucht die AfD Front gegen die Gewerkschaften zu machen. Aber auch bei den neoliberalen Herren der Stadtverwaltung scheint die neue rechte Farbe gut angekommen zu sein.

In einer beispiellosen Nacht- und Nebel-Aktion, ohne Beschluß von Magistrat oder Stadtverordnetenersammlung, hatten sie das neue blaue „Stadtlogo“ durchgesetzt. Die böse rote Farbe wurde aus allem städtischen verbannt.

In einem einzigartigen Durchmarsch wurde alles mögliche mit dem blauen Turm-Kirche-Bäumchen-Symbol verziert. Nicht nur Briefbögen und Visitenkarten, Briefstempel, Geschenkmäppchen und Kulis, auch Auto- und Rathaustüren. Sogar auf den Displays der Telefone der Verwaltung wurde das neue Logo eingerichtet.

Nun flattern auch an den Fahnenmasten der Rathäuser blaue Fahnen mit dem Symbol der neuen Zeit, das eine mit den Freien Wählern befreundete Werbeagentur ausgebrütet hat – angeblich für lau.

Die Umfärbung aller erreichbaren Gegenstände dürfte aber einiges an Steuergeld gekostet haben.

Diese Farbenspiele sollte man nicht als Kinkerlitzchen abtun. Dahinter steckt mehr.

In der Weimarer Republik tobte einst ein erbarmungsloser Fahnenkrieg. Viele Stadtverwaltungen, die dem entlaufenen Kaiser nachtrauerten und die Republik verachteten, weigerten sich damals, die schwarz-rot-goldene Flagge zu hissen. Sie zogen das preußische schwarz-weiß-rot vor. Alte Bilder aus dieser Zeit zeigen, dass Mörfelden und Walldorf in der Beflaggung treu zur Republik standen. Sie sollten sich auch heute darauf besinnen, dass die Stadtfarbe immer Rot war, und nicht blau.