Der schönste Humor ist halt immer noch der unfreiwillige. Mit dem versorgt uns das Rathaus reichlich(2.)

Auf der Homepage der Stadt beispielsweise finden wir dieses wunderschöne Foto (Ausschnitt), auf dem ein Projekt zur Wohnungssuche vorgestellt wird. Irgendjemand hatte die zündende Idee, das Projekt „Vitamin B“ zu nennen. Das allwissende Internet erklärt uns zu diesem Begriff folgendes: „B wie Beziehung. Umgangssprachliche Floskel für eine ungerechtfertigte Bevorzugung einer Person durch Beziehungen. Beispiel: Wie bist du an diesen Job gekommen?  Mit Vitamin B!“ Dazu sehen wir im oberen Teil des Bildes Stadtrat Seinsche und 1. Stadtrat Ziegler, ein Bild und ein Schild. Im kompletten Original-Bild sieht man vor den beiden, in niedrigerer Position, noch den amtierenden Bürgermeister nebst einem weiteren Herrn. Die haben wir mal weggeschnitten, um den Blick auf das Wesentliche zu erleichtern, das die US-amerikanische Schriftstellerin Edith Wharton einmal so formuliert hat: „Die wahre Vermählung aufrichtiger Seelen besteht zwischen zwei Menschen, die einen genau gleich gestimmten Sinn für Humor oder Ironie haben, so daß ihre gemeinsamen Blicke auf irgendein beliebiges Thema sich bündeln, wie die aufeinandertreffenden Strahlen von Suchscheinwerfern“. Warum fällt einem diese gottvolle Satire nicht selber ein? Ein Vermögen könnte man verdienen. Aber ach – der unfreiwillige Humor bricht völlig unerwartet aus dem prallen Leben selbst hervor und stiehlt einem so eine wundervolle Pointe. Trotzdem: Lange nicht mehr so gelacht.

Bildnachweis:  https://www.moerfelden-walldorf.de/de/aktuelles/presse/2019/januar/wohnungen-gesucht/

Selbstvorstellung

Die FAZ würde mich sicher niemals bitten, ihren berühmten Fragebogen auszufüllen. Aber wenn sie es täte, würde er so aussehen:

BürgermeisterkandidatAlfred J. Arndt
(DKP/LL)
Wo möchten Sie leben?In einem friedlichen Land
Ihr Hauptcharakterzug? Da müssen Sie meine Freunde fragen
Ihr Lieblingskomponist? Ludwig van Beethoven
Ihr Lieblingslyriker? Heinrich Heine
Ihr Lieblingsschriftsteller? Kurt Tucholsky
Ihr Lieblingstier?Wolf
Ihr Motto? Geschichte wird gemacht – es geht voran
Ihr Traum vom Glück? Mit Freunden auf einer italienischen Restaurantterrasse sitzen, viel Zeit zu haben, und zu wissen dass das Geld reicht
Ihr wichtigster Lehrmeister? Wladimir Iljitsch Lenin
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung? positiv angriffslustig
Ihre größte Schwäche? Verfressenheit
Ihre Helden in der Wirklichkeit? Rainer Rupp, Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow und alle anderen unbekannten Kriegsverhinderer
Ihre LieblingsbeschäftigungLesen
Ihre Lieblingsblume? Löwenzahn
Ihre Lieblingsfarbe? rot
Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte? Nelson Rolihlahla Mandela
Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit? Rosa Luxemburg, Tamara Bunke, die "Madres de Plaza de Mayo" und meine Frau, weil sie es schafft, mich zu ertragen
Ihre Lieblingstugend? Aufmerksamkeit
Ihre liebsten Romanhelden? der brave Soldat Švejk, Onkel Carlo aus dem "Foucaultschen Pendel"
Mit wem möchten Sie an der Hotelbar ein Bier trinken? Donald Trump
Und worüber reden? über Abraham Lincoln, die Gettysburg Address, und den 1. Verfassungszusatz der USA
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? die Abwesenheit von Stress
Was möchten Sie sein? ich selbst
Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten? Ehrlichkeit
Was verabscheuen Sie am meisten? Selbstverschuldete Ignoranz
Was wäre für Sie das größte Unglück? Die Ignorierung der Erderwärmung durch die endgültige Weltherrschaft des Großkapitals
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten? Intelligenz
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten? Intelligenz
Welche Erfindung bewundern Sie am meisten? den Korkenzieher
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? Die ersten. Ich nehme nur wiederholte Fehler übel
Welche geschichtlichen Gestalten verachten Sie am meisten? Adolf Hitler (außer Konkurrenz), Kaiser Wilhem II, Roman von Ungern-Sternberg, Gustav Noske
Welche militärischen Leistungen bewundern Sie am meisten?Die Konvention von Tauroggen 1812, den Sieg der Indianer unter Sitting Bull über die US-Kavallerie von General Custer am Little Bighorn 1876, die Befreiung von Paris durch die FFI 1944, die Selbstbefreiung der Häftlinge des KZ Buchenwald 1945
die kampflose Übergabe der Stadt Augsburg an die US-Armee durch deutsche Widerständler 1945
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?innere Ruhe
Welche Reform bewundern Sie am meisten?Die Republikgründung von Kemal Atatürk (mit Ausnahme des Nationalismus) 1923, den "New Deal" von Franklin D. Roosevelt 1933
Wer oder was hätten Sie sein mögen? Gute Frage – nächste Frage
Wie möchten Sie sterben? eigentlich gar nicht… 😉

Millionengrab Kläranlage?

Kläranlage Mörfelden. Entwickelt sich hier ein lokales Watergate, oder besser „Shitgate“?

War da ein Whistleblower am Werk? 


Dieser Tage erhielt eine Reihe von Kommunalpolitikern den anonymen Brief eines „besorgten Bürgers“ zum Umbau und zum gegenwärtigen Management der Kläranlage. Zu den Empfängern gehören auch die Bürgermeisterkandidaten.
In dem Brief werden schwere Vorwürfe gegen die Stadt und einzelne Verantwortliche erhoben.
Üblicherweise schmeißt man anonyme Briefe in die blaue Tonne.
Diesen jedoch sollte man ernst nehmen, zumal Hinweise aus anderen Quellen viele der Vorwürfe zu bestätigen scheinen. Hier ist offenbar ein „Whistleblower“ am Werk, der weiß, von was er redet.
In dem 4-seitigen Brief heißt es unter anderem: * 
„Die Kosten der Sanierung sollten 2008 noch zirka 10 Millionen Euro, später dann 20 Millionen Euro betragen. Im Juli 2016 hat das Stadtparlament die Sanierung und Erweiterung der Kläranlage für zirka 26 Millionen Euro beschlossen. Schnell stellte man dann jedoch fest: auch die 26 Millionen reichen nicht. Man fand auch rasch einen Schuldigen dafür: Das beauftragte Planungsbüro, das die benötigten Kapazitäten falsch berechnet hatte. Doch woher soll das Planungsbüro wissen, dass mittlerweile mehr Wasser in der Klaranlage ankommt als ursprünglich gedacht? Von wem bekommt das Planungsbüro die Daten und Fakten für seine Berechnungen? Doch wohl von den Stadtwerken und der Kläranlage! Hier werden Bücher über alle wichtigen Daten, wie über Zu- und Ablauf usw. geführt. Auch das Stadtparlament wurde anscheinend mit falschen Zahlen getäuscht, ist man doch inzwischen bei zirka 38 Millionen Euro Kosten angekommen. Doch diese 38 Millionen sind meines Erachtens noch nicht das Ende der Fahnenstange.“

„Zum ganzen Chaos mit der Abwahl des Ersten Stadtrates kam noch erschwerend hinzu, dass Akten mit Berechnungen und Plänen plötzlich verschwunden waren, später aber im Keller der Stadtwerke wieder gefunden wurden. Das war von bestimmten Personen doch so gewollt! Jetzt sollen die Bürger mit einer gestaffelten enormen Kostensteigerung bis 2026 den Umbau bezahlen. Aber nach 20 Jahren wird man diesen Neubau wieder sanieren müssen. Die alten Schulden sind dann noch nicht beglichen, und neue Schulden werden gemacht.“

„Hat sich der Magistrat eigentlich schon einmal gefragt, warum es auf der Kläranlage ein so reges Kommen und Gehen von Facharbeitern gibt? Facharbeiter für Kläranlagen werden in ganz Deutschland händeringend gesucht. Doch in Mörfelden haben die besten Mitarbeiter gekündigt – nicht etwa, weil sie woanders mehr Geld verdienen. Sie waren ganz einfach demotiviert.“
Die übrigen Darlegungen des Verfassers sind genau und detailliert und verraten umfangreiche Insiderkenntnisse. Man muß sie eingehend prüfen. Wenn sie auch nur zum Teil stimmen, deuten sie auf einen Abgrund von Schlamperei (oder womöglich auf Schlimmeres) hin, der die Einwohner von Mörfelden-Walldorf einen zweistelligen Millionenbetrag kosten kann. Drastische Gebührenerhöhungen für die kommenden Jahre sind ja schon beschlossen worden.

Die DKP/LL wird daher umgehend die Einrichtung eines Akteneinsichtsausschusses nach §50 Absatz 2 der Hessischen Gemeindeordnung beantragen und verlangt die Einberufung des Ältestenrates zu diesem Thema. Weiterhin behält sie sich vor, eine Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung zu beantragen.

* Hier können aus juristischen Gründen nur die Passagen des Briefes zitiert werden, in denen keine Namen genannt werden. 


#MörfeldenWalldorf #Bürgermeisterwahl
 #BGM2019  #Shitgate #AJAfürMöwa#DKP #LinkeListe

Wenn die bunten Fahnen wehen

Farbspiele

„Das neue Rot ist blau!“ Mit diesem Spruch versucht die AfD Front gegen die Gewerkschaften zu machen. Aber auch bei den neoliberalen Herren der Stadtverwaltung scheint die neue rechte Farbe gut angekommen zu sein.

In einer beispiellosen Nacht- und Nebel-Aktion, ohne Beschluß von Magistrat oder Stadtverordnetenersammlung, hatten sie das neue blaue „Stadtlogo“ durchgesetzt. Die böse rote Farbe wurde aus allem städtischen verbannt.

In einem einzigartigen Durchmarsch wurde alles mögliche mit dem blauen Turm-Kirche-Bäumchen-Symbol verziert. Nicht nur Briefbögen und Visitenkarten, Briefstempel, Geschenkmäppchen und Kulis, auch Auto- und Rathaustüren. Sogar auf den Displays der Telefone der Verwaltung wurde das neue Logo eingerichtet.

Nun flattern auch an den Fahnenmasten der Rathäuser blaue Fahnen mit dem Symbol der neuen Zeit, das eine mit den Freien Wählern befreundete Werbeagentur ausgebrütet hat – angeblich für lau.

Die Umfärbung aller erreichbaren Gegenstände dürfte aber einiges an Steuergeld gekostet haben.

Diese Farbenspiele sollte man nicht als Kinkerlitzchen abtun. Dahinter steckt mehr.

In der Weimarer Republik tobte einst ein erbarmungsloser Fahnenkrieg. Viele Stadtverwaltungen, die dem entlaufenen Kaiser nachtrauerten und die Republik verachteten, weigerten sich damals, die schwarz-rot-goldene Flagge zu hissen. Sie zogen das preußische schwarz-weiß-rot vor. Alte Bilder aus dieser Zeit zeigen, dass Mörfelden und Walldorf in der Beflaggung treu zur Republik standen. Sie sollten sich auch heute darauf besinnen, dass die Stadtfarbe immer Rot war, und nicht blau.

Alternative zu den Etablierten

Die DKP/Linke Liste hat Stadtrat Alfred J. Arndt zu ihrem Bürgermeisterkandidaten nominiert. Es treten jetzt vier Kandidaten zur Bürgermeister-wahl am 24. März 2019 an: Heinz-Peter Becker (SPD), Karsten Groß (CDU), Thomas Winkler (Grüne), Alfred J. Arndt (DKP/LL).Arndt sagte zur kommunale Selbstverwaltung: „Die Kommunen sind nicht mehr Herr im eigenen Haus“. Als aktuelles Beispiel nannte er die „Hessenkasse“. Sie schränke die Handlungsfreiheit von Mörfelden-Walldorf auf Jahr-zehnte hinaus ein. Seine Themen: u. a. die ärztliche Versorgung und die Barrierefreiheit – insbesondere am Bahnhof Walldorf sieht er dringend Handlungsbedarf. Er wies auf neu auftauchende Probleme hin. So die er-neut drohende Bebauung des Gebietes zwischen den beiden Stadtteilen. „Umweltschutz heißt heute auch dem Flächenfraß Einhalt zu gebieten“.Aus diesem Grund dürfe auch der Flughafen nicht weiter wuchern. Arndt sagte, er schätze Bürgermeister Becker als Person, aber besonders bei der Verteidigung der kommunalen Selbstverwaltung sei ihm der Rathauschef zu „leise“. Arndt versprach: „Ich werde laut meine Stimme für die Interessen der Kommune erheben.“