Großartig: Die SPD hat gelernt

Kurt Tucholsky schrieb am 19. Juli 1932 in der Weltbühne:

„Es ist ein Unglück, daß die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleineren Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas – vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahingegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen“.

Das mit dem Kaffee kochen hat die örtliche SPD jetzt endlich eingesehen, und sogar zu ihrer politischen Religion gemacht.

Geht doch – Glückwunsch, und weiter so!

Vorsicht – HessenForst!

Die Hitze des Sommers und die Stürme des Jahres 2018 haben unserem  Wald stark geschadet. Überall umgestürzte, umgeknickte und verdorrte Bäume.

„Wir werden unseren Wald nicht wieder erkennen“ bemerkte Bürgermeister Becker ganz beiläufig.

Jetzt kommt die Stunde von HessenForst: Die notwendigen Aufräumarbeiten ergeben eine Menge Menge zusätzliches Holz, das vermarktet werden kann.

Wie es scheint, bleibt der Naturschutz dabei auf der Strecke. Die Arbeiten scheinen recht rücksichtslos vor sich zu gehen. Das Schild, das auf ein Naturschutzgebiet hinweist, ist jedenfalls kein Opfer von Naturgewalten.

Randzeiten (2)

In einer Ausschusssitzung verkündete 1. Stadtrat Ziegler:

„Wir schaffen die „Randzeiten“ ab!“

Weil: Es haben zwar viele Eltern die Randzeiten gebucht – aber tatsächlich gekommen sind nur wenige Kinder. Man könnte jetzt ja über die Doppel-bedeutung des Wortes „Ausschuss“ sinnieren – heißt die Ausschusssitzung so, weil da viel Ausschuss produziert wird?

Aber lassen wir das – bleiben wir ernst, und gehen wir logisch vor. Schließlich wurde die Ausschuss-Aussage in der Stadtverordnetenversammlung wiederholt.

Also: Warum bucht (und bezahlt) man ein „Randzeitenmodul“?  Weil jederzeit die Möglichkeit besteht, dass man früher zur Arbeit muß, oder später heimkommt. Wer die moderne Arbeitswelt und den ÖPNV kennt, weiß das. Aber das ist eben nicht immer der Fall, meistens klappt’s ja innerhalb der normalen Zeiten, und alles ist gut.

Wer deshalb die Randzeitmodule abschaffen will, der müsste nach der gleichen Logik im Rathaus alle Feuerlöscher abmontieren, weil es dort noch nie gebrannt hat. Oder an seinem Auto die Airbags abmontieren, weil er seit Jahren keinen Unfall hatte. Oder auf Baustellen ohne Helm rumlaufen, weil ihm noch wie was auf den Kopf gefallen ist. Oder, oder, oder…..

Man sieht: Man hat’s in der Verwaltungsspitze nicht so mit der Logik Also bleibt’s bei der Aufforderung:  Haltet doch einfach den Rand.

Will heißen: Behaltet die Randzeitmodule bei.

Natürlich mittendrin

Bald in "bester" Gesellschaft? Die Bertha von Suttner Gesamtschule sowie die umliegenden Streuobstwiesen. Nicht im Bild? Die Grünabfallsammelstelle aka bald die neue Müllhalde der Stadt

Dieses Motto steht nicht nur unter dem neublauen Turm-Kirche-Bäumchen-Logo der Stadt. Es scheint sich auch zum politischen Grundsatz zu entwickeln. Eine der vielfältigen und netten Eigenschaften von Mörfelden-Walldorf ist es ja, dass man es nie sehr weit hat. Jeder Stadtteil hat sein Rathaus, seine Feuerwehr, seine Sporthallen und -plätze, sein Schwimmbad und so weiter.

Die Rathauskoalition, die diese Stadt zunehmend wie einen profitablen Industriebetrieb führen möchte, will sich aber von diesem Prinzip abwenden. Man hat offensichtlich die hochtrabenden „Waldfelden“-Pläne aus der Fusionszeit von 1974 wieder entdeckt. Man möchte mit aller Gewalt die „Grüne Mitte“ zwischen den Stadtteilen zubetonieren und alles mögliche dorthin schaffen. Zuerst hat man es mit der Feuerwehr versucht. Das wäre ein guter „Türöffner“ für weitere Bebauung gewesen. Stand ja auch so im Programm der Freien Wähler. Die Spekulation hatte auch schon hoffnungsfroh angefangen.

Nur hat das leider nicht funktioniert.

Aber die Stadtoberen sagten sich wohl: „Gleich ist der Mann, das Aufschieben hat der Teufel erfunden“. Und starteten gleich einen neuen Versuch, irgendeinen Startschuß für das Zubauen der Grünen Mitte zu geben. Jetzt soll der Wertstoffhof bei der Frassur in Walldorf geschlossen werden. Ab in die Mitte mit ihm! In der Nähe der Bertha von Suttner-Schule soll er hin, zusammen mit der dort in der Nähe schon bestehenden Grünsammelstelle.

Man schrieb zwar in der Beschlußvorlage: „Der Standort liegt weit entfernt von jeglicher Wohnbebauung, daher gibt es keine Lärm-, Geruchs- oder Verkehrsbelastung von Anwohnern“. Die nahe Schule scheint wohl nicht unter „Anwohner“ zu fallen. Und was spätere Wohnbebauung betrifft, gibt es dann sicher auch eine probate Ausrede. So ähnlich wie beim Terminal 3 („Mit mir wird es kein Terminal 3 geben!“ – Wirtschaftsminister Al-Wazir. Ha, ha.)

Man sollte ihnen so weit trauen wie man einen Elefanten werfen kann (afrikanisches Sprichwort).