Eltern stehen wegen gekürzter Randzeiten vor verschlossenen Türen

Die „Mitte“ ist ja so ein Modewort im neumodernen Polit-Sprech. Der deutsche Politiker strebt zur Mitte. Der Geschäftsmann strebt zum „Kerngeschäft“. Mit den Rändern haben sie’s beide nicht so, mit dem linken am allerwenigsten.
Auch die Stadt ist ja Motto-mäßig nicht mehr „vielfältig“, sondern nur noch „mittendrin“. Nun sind also die „Randzeiten“ auf die Abschussliste gekommen. Wir reden von Kinderbetreuung.

Wir erinnern uns: Früher gab’s mal einigermaßen bezahlbare und einigermaßen übersichtliche Kindergartengebühren. Aber seit die Kindergärten „KiTas“ heißen, hat die moderne Zeit Einzug gehalten. Heute gibt es „Module“, die man „bedarfsgerecht“ buchen muß. Die sind ähnlich kompliziert wie eine Vergleichstabelle von Tarifen für die Autoversicherung.

Und wenn’s dann mal mit dem Personal nicht reicht, weil man zwar um Neubürger wirbt, aber nicht daran gedacht hat, dass die womöglich Kinder haben, dann fliegen als erstes die „Randzeiten-Module“ aus dem „Betreuungsangebot“. Das liest sich im Polit-Sprech so:

„Die Kernzeiten werden durch die Verkürzung der Randzeiten mit Personal verstärkt. Wir möchten mit dieser zeitlichen Verschiebung und der Konzentration auf die Kernzeiten die Qualität der Betreuung Ihrer Kinder erhöhen. Denn es stehen nun mehr Erziehrinnen und Erzieher in dieser Zeit zur Verfügung. Gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel können wir so Ausfallzeiten entgegenwirken. Wichtig: Randzeiten-Module können ab 2019 nicht mehr gebucht werden.“

Auf deutsch heißt das: Wenn Sie zu den Menschen gehören, die das tägliche Abenteuer bestehen müssen, mit dem ÖPNV, d.h. mit der Deutschen Bahn AG und windigen Billigbus-Anbietern pünktlich zur Arbeit zu kommen und Abends pünktlich wieder an ihrer Kita zu sein – dann haben Sie jetzt das, was mit „A“ anfängt und mit „karte“ aufhört. Dann gilt für Sie, was auf der städtischen Homepage unter dem Stichwort „Perspektiven“ zu lesen ist:

„Stellt sich heraus, dass das Betreuungsangebot in den Randzeiten auch nach dem 31. Juli 2019 dringend benötigt wird, behält sich die Stadt vor, in jedem Stadtteil eine Kindertagesstätte mit Randzeiten anzubieten. In diesen Einrichtungen können nur Kinder aufgenommen werden, die bereits 2018 ein Randzeitenmodul gebucht hatten. Wichtig ist hier, dass ein Arbeitsgebernachweis vorgelegt wird. Muss ihr Kind in der Zeit von 7:00 Uhr – 7:30 Uhr bzw. 16:30 – 17:00 Uhr betreut werden, ist ein Wechsel in diese „Randzeiten-KiTa“ nötig“.

„Arbeitsgebernachweis“, „Randzeitenmodul“, „Randzeiten-KiTa“. Im Wörter-Erfinden sind sie große Klasse. Was soll man dazu sagen?

Die Stadt sollte einfach den Rand halten.

Und die Randzeitenmodule soll sie beibehalten..