Humor, unfreiwilliger (1.)


Unfreiwilliger Humor, gelegentlich auch Realsatire genannt, ist zum festen Bestandteil des Rathauses in Mörfelden geworden. In der Personalabteilung hängt gleich beim Eingang dieses schöne Plakat (Stand: 24. Januar 2019). Dem „Bachelor in Public Administration“ (ohne Blödenglisch geht heut‘ gar nix mehr. Wer wirklich Englisch kann, weiß daß es richtig „Bachelor of Public Administration heißt), dem Bätscheler of Pabblick Ädministräjschn also wird nahegelegt, quer zur üblichen Mathematik zu denken und auf fünf zu kommen, wenn er zwei und zwei zusammenzählt. Diese Rechenweise scheint im Hause tatsächlich gang und gäbe zu sein, verfolgt man die diversen Kostenschätzungen zur Erneuerung der Kläranlage. Nur können die Einwohner der Stadt, deren Geld hier verbrannt wird, nicht so richtig drüber lachen. Deshalb soll der augenzwinkernde Bätscheler sie wohl ein bißchen aufheitern. Ob’s hülft?

Der schönste Humor ist halt immer noch der unfreiwillige. Mit dem versorgt uns das Rathaus reichlich(2.)

Auf der Homepage der Stadt beispielsweise finden wir dieses wunderschöne Foto (Ausschnitt), auf dem ein Projekt zur Wohnungssuche vorgestellt wird. Irgendjemand hatte die zündende Idee, das Projekt „Vitamin B“ zu nennen. Das allwissende Internet erklärt uns zu diesem Begriff folgendes: „B wie Beziehung. Umgangssprachliche Floskel für eine ungerechtfertigte Bevorzugung einer Person durch Beziehungen. Beispiel: Wie bist du an diesen Job gekommen?  Mit Vitamin B!“ Dazu sehen wir im oberen Teil des Bildes Stadtrat Seinsche und 1. Stadtrat Ziegler, ein Bild und ein Schild. Im kompletten Original-Bild sieht man vor den beiden, in niedrigerer Position, noch den amtierenden Bürgermeister nebst einem weiteren Herrn. Die haben wir mal weggeschnitten, um den Blick auf das Wesentliche zu erleichtern, das die US-amerikanische Schriftstellerin Edith Wharton einmal so formuliert hat: „Die wahre Vermählung aufrichtiger Seelen besteht zwischen zwei Menschen, die einen genau gleich gestimmten Sinn für Humor oder Ironie haben, so daß ihre gemeinsamen Blicke auf irgendein beliebiges Thema sich bündeln, wie die aufeinandertreffenden Strahlen von Suchscheinwerfern“. Warum fällt einem diese gottvolle Satire nicht selber ein? Ein Vermögen könnte man verdienen. Aber ach – der unfreiwillige Humor bricht völlig unerwartet aus dem prallen Leben selbst hervor und stiehlt einem so eine wundervolle Pointe. Trotzdem: Lange nicht mehr so gelacht.

Bildnachweis:  https://www.moerfelden-walldorf.de/de/aktuelles/presse/2019/januar/wohnungen-gesucht/