Waldfelden – beginnt die Spekulation?

„Ein Schuft, wer Böses dabei denkt.“ Das Motto des britischen Hosenbandordens scheint mehr und mehr die Lokalpolitik in Mörfelden-Walldorf zu bestimmen.

Also wollen wir gerne nett sein und uns nichts Böses denken, wenn wir folgendes sehen:

Auf dem Gelände, das für das zentrale Feuerwehrgerätehaus vorgesehen war, steht ein Schild. Auf diesem zeigt ein Herr Faber an, dass er jetzt Besitzer dieses Ackerstückes sei. Herr Faber ist Inhaber und Geschäftsführer der Werbeagentur CMF in der Kurhessenstraße. Das Motto des Unternehmens: „CMF steht für Claus M. Faber. Als Inhaber setzt er sich persönlich dafür ein, dass die Rechnung unserer Kunden aufgeht. Mit Kontinuität und dem Willen zum Erfolg.“

Das hat er 2016 für seinen Kunden „Freie Wähler“ getan. CMF-Eigenwerbung: „Aus dem Stand heraus sensationelle 22,8% für die Freien Wähler als Newcomer. Damit ist die Partei mit 10 Sitzen zweistärkste Kraft im Stadtparlament.“

Im Programm der FW steht: „Eine Zentralisierung der Rathäuser, Feuerwehren und Bauhöfe im Bereich der Bertha-von-Suttner-Schule mit Geschäften und Gastronomie soll realisiert werden.“

Also kann es hilfreich sein, wenn man in diesem Gebiet ein paar Grundstücke besitzt. Hier allerdings hat es nicht so ganz funktioniert, „dass die Rechnung unserer Kunden aufgeht.“ Ein Bürgerentscheid hat das Projekt einer zentralen Feuerwache als Türöffner für die Bebauung der „Grünen Mitte“ zwischen Mörfelden und Walldorf vorerst verhindert. Was jetzt? Womöglich entscheiden sich die Wähler in der Stichwahl auch noch für den grünen Kandidaten Thomas Winkler. Dann könnte es sein, dass noch mehr solche vorsorglichen Käufe von Ackerland für die Katz waren. Die bringen dann keine fetten Spekulationsgewinne ein, sondern bestenfalls den „Zehnten“ der Ernte der Bauern, die die Grundstücke seit Jahren zum Anbau von Getreide und Mais für Biosprit nutzen. Aber: „Eine Hand wäscht die andere“. Flugs haben die Freien Wähler ihre während des Wahlkampfes sorgsam geübte Funkstille aufgegeben und rufen jetzt dazu auf, in der Stichwahl für Heinz-Peter Becker zu stimmen. Denn nur dann, wenn sich im rathäuslichen Machtgefüge nach der Stichwahl nichts ändert, gibt es noch die Chance, den Bürgerentscheid auszusitzen und nach einem Jährchen oder zwei doch noch den Startschuß für die Bebauung der „Grünen Mitte“ zu geben.

Aber, wie gesagt, wir wollen bei all dem gerne an den reinen Zufall glauben und uns nichts Böses dabei denken.